Video-Telefonie übers InternetDieser Artikel beschreibt, wie man unter Fedora mithilfe des Programms
ekiga und einer Logitech Quickcam für Notebooks mit Bildübertragung über das Internet telefonieren kann.
Ich hatte mich für das o.g. Modell einer Webcam entschieden, weil es in der Linux-User besonders gelobt wird. Allerdings musste ich ziemlich schnell feststellen, dass es einige Hürden zu überwinden gab. Das USB-Gerät wird vom Kernel zwar erkannt, es wird auch ein Modul namens
zc0301 geladen, aber dieses Modul funktioniert nun gar nicht. Die Lösung besteht in folgenden Schritten:
1.
Wir brauchen stattdessen das Kernel-Modul
kmod-gspca in der zum Kernel passenden Version, wenn wir es nicht selbst kompilieren wollen. Da ich den Kernel regelmäßig mittels
yum updaten lasse, entschied ich mich für ein vorkompiliertes Paket. Dazu muss ein neues Reposity für
yum eingerichtet werden. Unter
drpixel findet man dazu ein Paket, das einen entsprechenden Eintrag in /etc/yum.d vornimmt. Nun muss das Reposity nur noch unter
yumex aktiviert werden. Ist das soweit geschehen, kann das passende Modul eingespielt werden. Leider lässt das Reposity an Aktualität zu wünschen übrig und es gab kein Paket für meinen aktuellen Kernel 2.6.20-1.2319. Deshalb musste ich in der Datei /boot/grub/grub.conf einstellen, dass der ältere Kernel .2316 als Standart geladen wird. Für diesen gab es immerhin das passende Modul.
2.
Um zu verhindern, dass jedes Mal Handarbeit vonnöten ist, damit das passende Modul geladen wird, ging ich folgendermaßen vor. Ich erstellte im Ordner /etc/sysconfig/modules eine ausführbare Datei mit folgenden Inhalt:
#!/bin/bash
if [ $(cat /proc/bus/usb/devices | grep -c "Vendor=046d ProdID=08ae") -eq 1 ]; then
/sbin/modprobe gspca
fi
Sie dient dazu, zu kontrollieren, ob die Quickcam angeschlossen ist und lädt dann das Modul. Jetzt muss noch verhindert werden, dass das falsche Modul
zc0301 auch geladen wird. Dazu reicht ein Eintrag "blacklist zc0301" in die Datei /etc/modprobe.d/blacklist. Beim Neustart sollte - bei angeschlossener Quickcam - jetzt alles richtig laufen.
3.
Jetzt muss das Programm
ekiga mittels "yum install ekiga" installiert werden. Beim ersten Start führt das Programm durch die Konfiguration. Hier muss man einen Account bei ekiga.net anlegen oder bereits besitzen. Ich habe festgestellt, dass das Mikro an der Quickcam keine gute Wahl ist. Du solltest lieber auf ein Headset zurückgreifen. Ein wenig Herumprobieren mit den Audio-Einstellungen an meiner Soundkarte war erforderlich. Um die Übertragung zu testen, kannst du den Testaccount "500@ekiga.net" anrufen. Er spiegelt dir alle Audio- und Videodaten zeitversetzt zurück, so dass du siehst, was dein Partner sehen würde.
Nachtrag:
Um Anrufe empfangen zu können, muss der Port 5061 (udp) für eingehende Pakete freigeschaltet sein. Das bewirkt z.B. folgende Zeile:
/sbin/iptables -A INPUT -i EINGANGS-INTERFACE(z.B. ppp0) -p udp --destination-port 5061 -j ACCEPT
Um diese Einstellung auch beim nächsten Start zu behalten muss folgender Befehl ausgeführt werden:
/sbin/iptables-save > /etc/sysconfig/iptables
Mir ist aufgefallen, dass ich
ekiga immer zweimal starten muss. Beim ersten Start funktioniert das Anmelden beim Account nicht - warum auch immer. Ärgerlich hierbei ist, dass es keine Möglichkeit gibt, das Programm zu veranlassen, es nochmals zu probieren. Es bleibt also nur, das Programm komplett zu beenden und nochmals zu starten :-(
Ansonsten bin ich sehr zufrieden!